Katholische Klöster und osteuropäische Juden

Liebe Münchner,

heute gibt es einen ganz besonderen Ausflugstipp und zwar ins Kloster.
Etwa eine Stunde von München entfernt liegt die beschauliche Abtei St. Ottilien. Diese ist dank Hofladen, schöner Umgebung und nettem Biergarten auch sonst einen Ausflug wert, zur Zeit aber aus einem ganz bestimmten Grund noch mehr: Seit Mitte Juni befindet sich hier eine Ausstellung über die Zeit des Klosters als Lager für vor allem jüdische Displaced Persons nach dem Zweiten Weltkrieg. Der von den Aliierten eingeführte Begriff bezeichnet Ausländer, die sich aufgrund des Krieges nicht in ihrem Heimatort aufhielten. In St. Ottilien waren dies über 5000 Überlebende aus Osteuropa, die zwischen 1945 und 1948 dort lebten.

Eröffnung der Ausstellung. Foto: Ahoj Nachbarn

Eröffnung der Ausstellung. Foto: Ahoj Nachbarn

Nach St. Otttilien kamen sie aufgrund eines tragischen Unglücks. Im Glauben einen deutschen Militärtransport zu bombardieren, trafen die Aliierten in den letzten Kriegstagen einen Transport von Häftlingen aus den KZ-Außenlagern Kauferings. Die Verletzten wurden in das Militärlazarett St. Ottilien gebracht und verbrachten dort zum Teil mehrere Jahre. In dem Kloster entwickelte sich in dieser Zeit eine lebendige jüdisch-osteuropäische Kultur.

Öffentlicher Rundgang durch das Gelände. Foto: Ahoj Nachbarn

Öffentlicher Rundgang durch das Gelände. Foto: Ahoj Nachbarn

St. Ottilien hat nun zusammen mit dem Jüdischen Museum München und dem Lehrstuhl für jüdische Geschichte und Kultur der LMU München eine Ausstellung über diese ungewöhnliche Zeit erstellt, die noch bis zum 23. September 2018 zu sehen sein wird. Mit Tafeln im Außengelände und mehreren Audiostationen vermittelt diese das damalige Geschehen. Am 8. Juli, 5. August und 2. September finden zudem öffentliche Rundgänge statt.
Besonders spannend: Zur Eröffnung der Ausstellung war nicht nur viel lokale Prominenz vor Ort, sondern auch sogenannte Ottilien-Babys. Frauen und Männer also, die in St. Ottilien selbst geboren worden waren und häufig von weit her, sogar aus Australien, angereist waren.

„Charkiw ist authentisch“

Eine Stadt als „tragisches Museum“? So bezeichnet der bekannte ukrainische Schriftsteller Juri Andruchowitsch  in seinem „Kleinen Lexikon intimer Städte“ die ostukrainische Stadt Charkiw. Sie sei aber auch „authentisch“.

Jugendstilhaus in Charkiw, CC: Wikimedia Commons

Dass die Stadt weit mehr ist als eine Frontstadt für den nahen Krieg im Donbass zeigt in ihrem Beitrag Ahoj-Mitglied Katrin Hillgruber. Für den Deutschalndfunk Kultur hat sie sich mit der lebendigen Literaturszene der Stadt auseinandergesetzt. Dabei zeigt sie, dass die Stadt nicht nur historisch für wichtige schriftstellerische Impulse sorgte – 1930 fand hier die Konferenz der revolutionären Schriftsteller statt, die futuristische Impulse weitergaben. Auch heute kommt aus Charkiw große Literatur. Zum Beispiel von Serhij Zhadan, dessen Roman „Internat“ auf der Leipziger Buchmesse mit einem Preis für die „enorme Wucht“ der Übersetzung geehrt wurde. „Lebendiger als in diesem Roman kann man vom Krieg nicht erzählen, lebendiger kann eine Übersetzung nicht sein.“ kommentierte die Jury.

Was die Literaturszene der Stadt sonst noch zu bieten hat, könnt ihr in Katrins Beitrag nachhören.