Der Tschechische Filmabend in München mit der Sondervorführung „Die Volksschule“

Von Anett Browarzik

Den tschechischen Filmabend gibt es bereits seit 2010. Aktuelle tschechische Filme schaffen es, bis auf wenige Ausnahmen, nur selten in die deutschen Kinos. Deswegen hat die damals neue Direktorin des Tschechischen Zentrums München, Zuzana Jürgens, nach einer Möglichkeit gesucht, dem Münchner Publikum die Breite des tschechischen Filmschaffens vorzustellen – auch außerhalb von Filmfestivals. Wahren Filmgenuss gibt es aber nur im Kino. Das Arena Filmtheater ist eines der besten Programmkinos Münchens, noch dazu zentral gelegen, die Kinobesitzer zeigten sich sehr offen gegenüber unserem Anliegen, dort einen tschechischen Filmabend einzuführen – die Wahl fiel uns also nicht schwer. Noch eine kleine Randbemerkung: Das Arena Filmtheater ist Träger des Kinoprogrammpreises der Stadt München 2011. In der Begründung der Jury wird explizit auf den tschechischen Film Bezug genommen.

 

Von links: Klaus Blanc (Münchner Volkshochschule), Anett Browarzik und Zuzana Jürgens (Tschechisches Zentrum) vor dem Arena Kino.

Von links: Klaus Blanc (Münchner Volkshochschule), Anett Browarzik und Zuzana Jürgens (Tschechisches Zentrum) vor dem Arena Kino.

Für wen und wozu?

Der tschechische Filmabend findet immer jeden ersten Mittwoch im Monat statt und richtet sich an alle Filminteressierten. Gerade das Genre Film vermag es, Menschen über nationale Grenzen hinweg zusammenzubringen. So sitzen im Kinosaal bei unseren Filmabenden Leute, die sich für das Thema oder einfach nur für Film interessieren, aber natürlich auch Tschechen, die in München leben. Je nach Thema kooperieren wir auch mit anderen Kulturpartnern. Wir zeigen sowohl Spiel- als auch Dokumentarfilme und laden ab und zu Regisseure zum Filmgespräch ein (so z. B. im Februar 2016). Natürlich möchten wir dadurch in München das allgemeine Interesse am tschechischen Film erhöhen. Dazu soll auch unsere Facebookseite „Tschechischer Film“ beitragen, die regelmäßig über die tschechische Filmszene berichtet. Ein kleines Problem für uns ist, dass wir die Filme meistens nur in der Originalversion mit englischen Untertiteln bekommen – das schreckt viele deutsche Zuschauer, die kein Tschechisch verstehen, ab.

"Die Volksschule" von Zdeněk Svěrák am Mo, 28.03.16 um 19:00 Uhr im Arena Kino

„Die Volksschule“ von Zdeněk Svěrák am Mo, 28.03.16 um 19:00 Uhr im Arena Kino


„Die Volkshochschule“ am Mo, 28.03.16 im Arena Kino

„Die Volkshochschule“ ist in Tschechien ein Kultfilm des erfolgreichen Filmduos Zdeněk Svěrák (Drehbuchautor, Darsteller) und seinem Sohn Jan Svěrák (Regisseur). Genau zum 80. Geburtstag von Zdeněk Svěrák (28.3.) wurde der Film aus dem Jahr 1991 restauriert und wird nun an über 100 Orten weltweit gleichzeitig gezeigt. Mit typischem tschechischen Humor und Sarkasmus, vor dem Hintergrund einer sorglosen Kindheit, berührt der Film dennoch ein ernstes Thema: Krieg. Nicht zuletzt dank der großartigen Schauspielleistung wurde der Film damals für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert. 1997 erhielten die zwei dann den Oscar in eben dieser Kategorie für ihren Film „Kolya“, der auch in deutschen Kinos lief.

Der tschechische Film heute

Typisch für den tschechischen Film war immer die Komödie. Die jungen tschechischen Regisseure wenden sich aber zunehmend anderen Genres und Themen zu, so etwa dem Sozialdrama (z. B. Cesta ven – Ausweg), aber auch dem Animationsfilm (z. B. Alois Nebel), der in der tschechischen Kinematografie bislang nicht verwurzelt war. Einen großen Aufschwung haben auch biografische und vor allem Dokumentarfilme. Gerade im Dokumentarfilmgenre können sich junge Regisseure ohne großes Budget ausprobieren. Neue Wege und vor allem finanzielle Spielräume eröffnen sich auch durch internationale Koproduktionen. So entstehen aufwändig produzierte Filme wie Agnieszka Hollands „Burning Bush“ (CZ / PL 2013 – HBO) oder der Film „Anthropoid“ (GB / CZ / FR 2016) des britischen Regisseurs Sean Ellis.

Was kommt als Nächstes

Am 6.4. zeigen wir den Film „Fair Play“, eine tschechisch-slowakisch-deutsche Koproduktion aus dem Jahr 2014. Der Film behandelt das Thema Doping im tschechoslowakischen Leistungssport. Ein spannendes Drama mit einer grandiosen slowakischen Hauptdarstellerin – Judit Bárdos – und der Grande Dame des tschechischen Kinos – Anna Geislerová – in einer weiteren Hauptrolle. Die Filme für die Monate danach sind derzeit noch in Verhandlung, daher möchte ich jetzt noch nichts verraten.


 

Anett Browarzik vom Tschechischen KulturzentrumDie Veranstalterin Anett Browarzik

Seit 2010 arbeite ich als Programmkoordinatorin beim Tschechischen Zentrum München, das ausländische Kulturinstitut des Tschechischen Staates. Mein Interesse für Tschechien und die tschechische Sprache sowie Kultur lassen sich hier wunderbar im Job umsetzen, denn wir laden tschechische Schriftsteller, Künstler, Wissenschaftler und Kulturschaffende nach Süddeutschland ein, organisieren Filmabende und vieles mehr. Wenn dann mal freie Zeit bleibt, entfliehe ich aber gerne der Stadt und gehe raus in die Natur, in die Berge zum Wandern. Ich liebe es zu reisen (gerne auch jenseits der Grenzen von Tschechien). Und seit anderthalb Jahren habe ich ein neues Hobby mit meinem Freund entdeckt: Bier brauen.

 

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Natalia

Über Natalia

Natalia Garbacz Nachdem sie 2004 ihr familäres Nest in Warschau verließ, brach sie nach Deutschland auf. Sie nahm ein Studium der Theaterwissenschaften in Erlangen auf, welches sie später in München abschloss. Den Ahoj-Nachbarn-Verein nahm sie von Nürnberg nach München mit und ist seither grenzenlos stolz darauf, dass er Schöpfer solch toller Projekte wie dem polnischen Filmfestival Cinepol oder des osteuropäischen Stadtführers Ahoj Minga geworden ist. Ehemalige Vorsitzende des Vereins Ahoj Nachbarn (2007-2013, 2013-2015).

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