Polnische Bücher als Weihnachtsgeschenk

Sucht ihr noch Weihnachtsgeschenke? Was könnte besser sein als ein spannender Roman? Und wenn der Autor des Buches auch noch aus Polen kommt? So eine tolle Überraschung! Ich liebe die polnische Literatur und freue mich riesig, wenn Bücher immer öfter ins Deutsche übersetzt werden. Ich empfehle euch ganz herzlich, einige von ihnen kennenzulernen. Jeder findet hier etwas Interessantes. Das erste Buch passt für einen guten Freund, das zweite ist magisch und wird bestimmt den Frauen gefallen, das dritte ist ideal für Krimifans. Viel Freude beim Verschenken!
Eure Ahoj-Literaturbeauftragte Iwona

 

Der Boxer – Szczepan Twardoch

Das Buch erscheint in Polen als Król, also der König. Der deutsche Titel gefällt mir besser. Wer schon frühere Bücher von Szczepan Twardoch kennt, der weiß, was hier zu Erwarten ist. Ich bin sicher, dass alle, die Twardochs frühere Bücher Morphin oder Drach gelesen haben, auch den Boxer lesen wollen. Der Schreibstil ist so außergewöhnlich, dass man entweder kapituliert oder noch mehr braucht. Auf jeden Fall sind sie schwer zu erklären. Der Boxer ist kein leichter und angenehmer Roman. Er ist stark und brutal. Er handelt von Warschauer Banditen in der Vorkriegszeit und konzentriert sich auf die jüdische Unterwelt. Die Hauptfigur der Geschichte ist Jakub Szapiro – ein junger Boxer. Das Geschehen findet auf den Warschauer Straßen der dreißiger Jahre statt, wo sich faschistische und sozialistische Kämpfer in einem luxuriösen Bordell treffen. Eine multikulturelle, geteilte Welt zu Beginn des Zweiten Weltkrieges, durchzogen von nationalen, politischen und sozialen Konflikten. Twardoch erzählt drastisch, scharf und schockierend. Der Leser bleibt bis zum Schluss gespannt und am Ende erfährt er etwas ganz anderes, als er erwartet hat.

Aus dem Polnischen von Olaf Kühl, Rowohlt Verlag, 464 Seiten, Berlin 2018.

 

 

Sonka – Ignacy Karpowicz

Die Protagonistin Sonka ist eine alte Bäuerin, die im polnisch-weißrussischen Grenzgebiet lebt. Als junges Mädchen hat sie sich während des Krieges in einen SS-Offizier verliebt. Das war das größte Geheimnis ihres Lebens und jetzt erzählt sie alles einem Theaterregisseur aus Warschau, der sie zufällig gefunden hat. Sonka kann sich endlich von der Last der Vergangenheit befreien. Igor, der Regisseur, macht daraus ein Theaterstück, mit dem er versucht, auch seine eigene Identität besser zu verstehen. Die Handlung scheint also ganz einfach. So einfach ist es aber nicht. In der Prosa von Karpowicz erscheinen nämlich magische Dinge. „Sonka“ spielt auf mehreren Ebenen und hat sogar vier verschiedene Erzähler. Die ganze Geschichte ist leicht ironisch. Der Leser schwankt ständig zwischen Empathie und Misstrauen. Bemerkenswert ist die einzigartige Atmosphäre des Buches. Alltag im Grenzland, Dialekt, Legenden und Mythen wie auch die Zusammenfassung des Lebens als Theater – all das macht diesen Roman außergewöhnlich. Dem Autor ist es gelungen, viele Themen in einer Geschichte zu kombinieren, ohne in Klischees zu verfallen.

Aus dem Polnischen von Katharina Kowarczyk, Berlin Verlag, 208 Seiten, Berlin 2017.

 

 

Ein Körnchen Wahrheit – Zygmunt Miloszewski

Teodor Szacki ist die Hauptfigur der Krimiserie von Zygmunt Miłoszewski. Der bekannte Staatsanwalt zieht von Warschau nach Sandomierz, wo er einen brutalen Mörder finden soll. Wegen der grausame Art der Verletzungen, laufen die Ermittlungen in verschiedene Richtungen. Dämonen wachen in der Stadt auf. Der Leser kann tief in die polnische Geschichte eintauchen und genau die polnische Gesellschaft analysieren. Zu Wort kommen Juden mit alle Stereotypen und ihrer schmerzhaften Vergangenheit. Der Roman ist sehr gut konstruiert und hat tolle komische wie auch ironische Momente. Der Leser wird animiert zu spekulieren. Man muss sehr starke Nerven haben, um das alles in Ruhe zu ertragen. Es lohnt sich auf jeden Fall das spannende Buch zu lesen und danach, wenn es alles schon erklärt ist, sich das Ganze noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen.

Aus dem Polnischen von Barbara Samborska, Piper Verlag, 512 Seiten, Berlin 2016.

Viel Spaß beim Lesen und eine freudige Bescherung wünscht euch Ahoj Nachbarn!

Offener Treff im November

Trainspotting mit den Ahojskis!

Oder zumindest Beerspotting. Denn Züge sehen wir in der Gleiswirtschaft, in der wir zu unserem Offenen Treff im November einladen, wohl nur auf Bildern.
Die Bahnhofsatmosphäse ohne Hektik allein ist aber schon Grund, vorbeizukommen! Wir netten Osteuropa-Interessierten aber noch mehr:) Wir freuen uns auf euch!
Wo? Gleiswirtschaft, Giesinger Bahnhofplatz 1
Wann? Dienstag, 27. November ab 19 Uhr

Ein Rückblick auf die Polish Wave

Am 18. Oktober war es wieder so weit: Mit dem Polish Wave Filmabend zog der polnische Kurzfilm in München ein. Von der Stiftung Ad Arte bekamen wir eine Auswahl der besten aktuellen polnischen Kurzfilme des diesjährigen Shortwaves Kurzfilm-Festival. Vier Filme waren ausgewählt worden:

Wolta (Volte), ein metaphorisches Szenario über die Unsicherheiten, die das Erwachsenwerden mit sich bringt; der bunte Animationsfilm Czarnoksiężnik z krainy U.S. (The Wizard of U.S.), der Dorothy aus dem Zauberer von Oz mit #metoo zusammenbrachte; das ungewöhnlichen Familiendrama Heimat und und schließlich Fusy (Dregs) über eine zweifelnde Wahrsagerin.

Toll, dass die Filme nicht nur uns, sondern auch noch ganz viele andere Münchnerinnen und Münchner interessierten – der Salon Irkutsk war absolut voll! Das hat sicher auch zur kuscheligen Wohnzimmer-Athmosphäre beigetragen.

Vielen Dank an alle, die dabei waren und bis zum nächsten Jahr!

Offener Treff im Oktober

Offener Treff? Ja, genau, wir haben den Titel unseres monatlichen Treffens geändert. Nun noch offener, noch treffender 🙂
Wenn ihr euch über die besten polnischen Fermentationsprodukte unterhalten möchtet, uns fragen wollt, wann der nächste tolle Kurzfilmabend stattfindet oder uns einfach kennenlernen möchtet – kommt am Dienstag, dem 30. Oktober, vorbei!
Ganz passend geht es diesmal in die Weltwirtschaft in der Schwanthalerstraße 80. Dort findet ihr uns ab 19 Uhr.

Polish Wave – Polnischer Kurzfilmabend

Am Donnerstag, dem 18. Oktober 2018, bringt Ahoj Nachbarn wieder polnische Kurzfilme nach München!

POLISH WAVE ist der Name für die ausländische Edition des SHORT WAVES Festivals. Das Short Waves Festival wird bereits seit 9 Jahren durch die polnische Stiftung Ad Arte (Fundacja Ad Arte) in Posen organisiert und gilt als das wichtigste Festival für neue polnische Kurzfilme. Es findet in über 30 Städten in Polen und ganz Europa statt – darunter auch im München.

Dieses Jahr zeigen wir die POLISH WAVE-Kurzfilme im Salon Irkutsk (Isabellastraße 4), einer unserer Lieblingsbars. Das Filmeschauen kann so also auch mit heißen oder kühlen Getränken verbunden werden 🙂

Wenn ihr euch schon jetzt einen Platz sichern wollt, schreibt uns eine Nachricht per facebook an info@ahojnachbarn.eu.
Tickets: 4€