Polish Wave – Polnischer Kurzfilmabend

Am Donnerstag, dem 18. Oktober 2018, bringt Ahoj Nachbarn wieder polnische Kurzfilme nach München!

POLISH WAVE ist der Name für die ausländische Edition des SHORT WAVES Festivals. Das Short Waves Festival wird bereits seit 9 Jahren durch die polnische Stiftung Ad Arte (Fundacja Ad Arte) in Posen organisiert und gilt als das wichtigste Festival für neue polnische Kurzfilme. Es findet in über 30 Städten in Polen und ganz Europa statt – darunter auch im München.

Dieses Jahr zeigen wir die POLISH WAVE-Kurzfilme im Salon Irkutsk (Isabellastraße 4), einer unserer Lieblingsbars. Das Filmeschauen kann so also auch mit heißen oder kühlen Getränken verbunden werden 🙂

Wenn ihr euch schon jetzt einen Platz sichern wollt, schreibt uns eine Nachricht per facebook an info@ahojnachbarn.eu.
Tickets: 4€

 

Der Man-Booker-Literaturpreis 2018 geht nach Polen! – Lektüreempfehlung „Unrast“ von Olga Tokarczuk

Ihr sucht neuen Lesestoff für den Sommerurlaub? Da hilft Ahoj Nachbarn gern. Eine Empfehlung unserer Literaturkritikerin Iwona:

Dieses Jahr geht der hochdotierte internationale Man-Booker-Literaturpreis nach Polen. Die polnische Autorin Olga Tokarczuk und die US-amerikanische Übersetzerin Jennifer Croft teilen sich die Auszeichnung für den Roman „Bieguni“. Der wichtigste Literaturpreis Großbritanniens prämiert ausländische Werke, die ins Englische übersetzt wurden. Tokarczuk ist die erste Polin, die die renommierte Auszeichnung erhält. Die Jury lobte den „wundervollen Esprit, die Fantasie und die literarische Ausdruckskraft“ wie auch die Ironie der Autorin. Auf Deutsch ist das Buch unter dem Titel «Unrast» erschienen.

Buchcover Unrast (Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2009)

Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2009

Ich habe „Unrast“ mehrmals gelesen, weil es kein richtiger Roman ist. Es ist ein sehr originelles und ungewöhnliches Buch, da es nicht eindeutig einem bestimmten literarischen Genre zugeordnet werden kann. Es besteht aus kürzeren und längeren Fragmenten, Essays, Kolumnen, Geschichten, Biographien und Anekdoten.
Im Buch dreht sich alles um das Reisen, aber dabei berührt es auch eine ganze Reihe anderer Aspekte. Es geht auch um Sprache, Liebe, Anatomie, Medizin, Bücher, Wissenschaft und sogar Wachsmodelle. Ich bin überzeugt, dass jeder hier etwas für sich finden kann. Das Buch regt zur Neugier an und und dazu, mehr wissen zu wollen.
Einige im Buch beschriebene Szenen bleiben lange im Kopf und zwingen zum Nachdenken.

Da ist die Geschichte eines Mannes, der seine Frau auf einer Insel verloren hat. Eine junge Frau, die an den Kaiser von Österreich schreibt, mit der Bitte, den Körper ihres Vaters an sie zu übergeben, der nach dem Tod als Wachsfigur öffentlich zur Schau gestellt wurde. Ebenso berührend ist die Geschichte eines allein lebenden Mannes, dem ein Bein amputiert wurde. Diese kleinen Geschichten machen das Buch lesenswert. Durch die Betrachtung verschiedener Aspekte der Reise, nicht nur im Wortsinn, sondern auch im übertragenen Sinne, kann man das Leben und sich selbst aus einer anderen Perspektive betrachten.

Polnisches Buchcover von "Unrast" - Wydawnictwo Literackie

Polnisches Buchcover von „Unrast“ – Wydawnictwo Literackie

Das Buch kann nach dem Zufallsprinzip gelesen werden, es ist durch seinen fragmentarischen Aufbau nicht notwendig, es von der ersten bis zur letzten Seite zu lesen. Das ist typisch für die Werke von Olga Tokarczuk. Ich lese sie oft und jedes Mal entdecke ich etwas Neues.

Kurz gesagt: „Unrast“ ist die beste Metapher für unsere moderne Zeit, die ich in der Literatur gefunden habe. Durch das scheinbare Chaos der Form beschreibt Tokarczuk das heutige Leben, die Eile und Informationsflut, mit der wir jeden Tag zu kämpfen haben. Von ganzem Herzen empfehle ich es jedem, dieses Buch zu lesen.

Filmfest München

Liebe Filmfreunde,

dank der bunten Plakate überall in der Stadt habt ihr vielleicht schon gesehen, dass das Filmfest München begonnen hat. Noch bis zum 7. Juli zeigen zahlreiche Kinos im Stadtzentrum frische internationale Filme und ermöglichen Gespräche mit Regisseuren, Schauspielern und Produzenten.

Natürlich würde man sich da am liebsten parallel in alle Kinos setzen und nicht mehr gehen. Um die Auswahl zu erleichtern möchten wir hier deshalb auf ein paar osteuropäische Sahnehäubchen aufmerksam machen:

Dieses Mal gibt es gleich zwei Filmen aus der Ukraine, von zwei der bekanntesten ukrainischen Regisseure: DONBASS (Regie: Sergei Loznitsa), der, wie der Name schon vermuten lässt, den Krieg in der Ostukraine beleuchtet. In kurzen Einblicken berichtet der Film über das Leben im Kriegsbegiet, aber auch über Fake News und journalistische Arbeit vor Ort.
VULKAN (Regie: Roman Bondarchu) erzählt die Geschichte eines Übersetzers, der im Rahmen einer OSZE-Mission in den Süden der Ukraine kommt und eine Welt voller Schönheit und paradoxem Witz inmitten der Widrigkeiten des Lebens in der Krimkrise entdeckt.

 

Im polnischen Film NINA (Regie: Olga Chajdas) geht es um eine unerwartete Liebe: Ein Pärchen sucht eine Leihmutter und glaubt, in Magda die Richtige gefunden zu haben. Um sie zu überzeugen, wollen sie sie gemeinsam verführen. Das führt allerdings zu unerwarteten Entwicklungen.

Zwar ein spanisch-argentinischer Film, aber einer auch der in Polen spielt: EL ÚLTIMO TRAJE: Abraham, ein 88 Jahre alter, kauziger, gewiefter Schneider, macht sich auf, ein altes Versprechen einzulösen. Er begibt sich auf die abenteuerliche Reise von Buenos Aires nach Polen, um nicht ins Seniorenheim gesteckt zu werden und einem alten Freund einen Anzug zu bringen. Der Freund hat ihm einst vor sieben Dekaden während des Holocaust das Leben gerettet.

 

Der Film NAMME (Regie: Zaza Khalvashi) aus Georgien thematisiert den Konflikt zwischen Moderne und überlieferten Lebensweisen: Seit Generationen hütet die Familie von Alie eine Heilquelle für die Dorfbewohner. Doch alle Söhne verlassen ihr Elternhaus, um ganz eigene Ziele zu verfolgen. Nur die jüngste Tochter Namme könnte die Tradition fortsetzen. Parallel wird in der Umgebung ein Wasserkraftwerk erbaut, und eines Tages beginnt plötzlich die Heilquelle zu Versiegen.

 

Auch aus Rumänien gibt es ein Familiendrama: In POROROCA (Regie: Constantin Popescu)  verschwindet plötzlich die fünfjährige Maria. Ihr Vater sucht überall, aber weder er noch die verständigte Hilfe kann die Kleine finden. Der Schmerz ist unermesslich. Zugleich suchen die Eltern in der angespannten Stille nach dem fehlenden Puzzlestück. Ein weiteres herausragendes Zeugnis des modernen rumänischen Kinos.

 

Zu guter Letzt noch ein Film aus Russland: ANNA’S WAR (Regie: Aleksey Fedorchenko) spielt während des Zweiten Weltkriegs in der Sowjetunion. Das jüdische Mädchen Anna kann sich aus einem Massengrab retten und findet ein Versteck im alten Kamin des Kommandantenbüros. Von hier aus beobachtet sie den Krieg. Nachts macht sie sich auf die Suche nach Fundstücken, die ihr beim Überleben helfen.

 

Viel Spaß beim Schauen!