Geht ins Kino! Die Filmreihe „Slawische Metropolen“ im Filmmuseum

"Geschichte der Wände" - CSSR 1980 - Regie: Vera Chytilová

„Geschichte der Wände“ – CSSR 1980 – Regie: Vera Chytilová

Interview mit der Organisatorin Anja Burghardt

Wie alles begann

Die Idee zum Projekt hatte verschiedene Anfangspunkte. Die Veränderungen, die Städte erfuhren und erfahren, interessieren mich sehr und vor allem auch die künstlerischen „Antworten“ auf solche Veränderungen. Neben dem Wunsch ein Programm zu osteuropäischen Großstadtfilmen zu machen (und so beispielsweise zu sehen, welche Besonderheiten Filme über sozialistische Metropolen haben, aber auch, was sie mit westeuropäischen oder auch amerikanischen Stadtfilmen eint) gab es auch den Wunsch, Universität und öffentliche Räume zusammenzuführen. Es würde mich freuen, wenn sich einige Studierende dazu einzuladen ließen, dass sie (anstatt kleine Privatgeräte als „Filmprojektoren“ zu nutzen) ins Kino gehen. Umgekehrt freut es mich, wenn die Universität über ihre Gebäude hinaus in öffentliche Veranstaltungsräume gelangt und die universitären Themen ins öffentliche Gespräch gebracht werden können. Daher danke ich dem Filmmuseum sehr, dass der Vorschlag einer solchen Filmreihe hier so aufgeschlossen aufgegriffen worden ist.

"Maidan" - Ukraine 2014 - Regie: Sergej Loznica

„Maidan“ – Ukraine 2014 – Regie: Sergej Loznica


Wer ist eingeladen?

Das Projekt richtet sich an alle, die Filme mögen, und an alle, die sich für den osteuropäischen Raum interessieren. Dass sich die Reihe auf die Hauptstädte slawisch-sprachiger Länder beschränkt (und nicht eine Reihe zu osteuropäischen Metropolen ist), liegt letztlich an der universitären Einteilung der Disziplinen nach Sprachgruppen. Daher sind weder ungarische noch rumänische Filme in der Reihe vertreten. Natürlich richtet sich das Programm auch die Studierenden der Slavistik, zumal es mit der Vorlesungsreihe „Vernetzte Räume. Zu Literatur und Architektur“ verknüpft ist. Eine Idee war, dass es eine gute wechselseitige Ergänzung darstellt, wenn die wissenschaftlichen Reflexionen der Vortragsreihe von der Betrachtung von Kunstwerken selbst (in diesem Fall also Filmen) begleitet wird. Zudem tritt mit den Filmen ein weiteres Medium neben Literatur und Architektur.

"Die unschuldigen Zauberer"

„Die unschuldigen Zauberer“ – Polen 1960 – Regie: Andrzej Wajda


Ein paar Worten zum Programm

Die Filmauswahl ist zu einem Gutteil Barbara Wurm, einer der herausragenden Expertinnen für osteuropäischen Film im deutschsprachigen Raum, die ein immenses Wissen zu osteuropäischen Filmen und Kinokulturen hat, zu verdanken; auch das Filmmuseum hat dabei mitgewirkt. Und da das Filmmuseum alles rund um den Verleih gemacht hat, müssten Sie zu möglichen Schwierigkeiten für die Kopien dessen Mitarbeiter/Programmleiter Klaus Volkmer fragen. Ansonsten: die üblichen Quellen, also Kino- bzw. Filmgeschichten der einzelnen Länder und wissenschaftliche Literatur zum osteuropäischen Kino, aber auch Festivalprogramme. Aus meiner Perspektive das größte Hindernis bzw. der größte Erfolg: die Filme müssen untertitelt sein, sonst können sie einem breiteren Publikum nicht gezeigt werden. Verschiedene Studierende haben die Untertitel zu einigen Filmen angefertigt oder bestehende Untertitel geprüft, während einzelner Filmvorführungen werden diese von Hand geschaltet. Ohne diese großartige Unterstützung von ihnen hätten wir also manches nicht in die Reihe aufnehmen können.

Und nach dem Projekt?

Eine Fortsetzung wäre natürlich schön. Was ich mir wünsche? In dem wiederholten Ansehen der Filme entdecke ich natürlich immer wieder Neues, weitere Verbindungen, einzelne Momente in einem Film, die mir noch nicht aufgefallen waren. Der Wunsch, neue Anregungen und Blickwinkel auf die Metropolen in slawischsprachigen Ländern zu erhalten, erfüllt sich also auf jeden Fall. Ansonsten würde es mich sehr freuen, wenn die Reihe möglichst viele BesucherInnen anziehen und ein Interesse für osteuropäische Filme wecken oder vertiefen könnte.


Anja BurghardtMein Name ist Anja Burghardt, ich bin derzeit als Assistentin am Institut für Slavische Philologie (Lehrstuhl Prof. Dr. Riccardo Nicolosi) angestellt. Ich arbeite also im Bereich der Literaturwissenschaft, von den Sprachen her zu russischer und polnischer Literatur und Kultur. Filme im Kino anzusehen gehört jedenfalls zu den Dingen, die ich in meiner Freizeit gerne mache.


„Slawische Metropolen“ – das Programm

Vorführungen ab 26.04.16, jeweils um 21:00 Uhr:

  • Dienstag, 26. April 2016 „Bjalata staja“ (Das weiße Zimmer) | Bulgarien 1968 | R: Metodi Andonov
  • Dienstag, 3. Mai 2016 „Panelstory aneb Jak se rodí sídliště“ (Geschichte der Wände) | čSSR 1980 | R: Věra Chytilova
  • Dienstag, 17. Mai 2016 „Valter brani Sarajevo“ (Walter verteidigt Sarajevo) | Jugoslawien 1972 | R: Hajrudin Krvavac
  • Dienstag, 24. Mai 2016 „The Punishment – Kazna“ | Österreich 2000 | R+B: Goran Rebić | K: Jerzy Palacz
  • Dienstag, 31. Mai 2016 „Ljubljana“ | Slowenien 2002 | R+B: Igor šterk
  • Dienstag, 7. Juni 2016 „Slučajspacanom“ (Die Sache mit dem Jungen) | Belarus 2001 | R: Sja- roža Laban
  • Dienstag, 14. Juni 2016 „Maidan“ | Ukraine 2014 | R+B: Sergej Loznica
  • Dienstag, 21. Juni 2016 „Moskva“ (Moskau) | Russland 2000 | R: Aleksandr Zel’dovič

In Kooperation mit dem Institut für Slavische Philologie der LMU München, zur vorlesungsreihe »vernetzte Räume – zum Verhältnis von Literatur und Architektur«. Zusammenstellung: Barbara Wurm, Anja Burghardt.

Eintrittspreise
Regulär 4 €
Aufschlag bei Überlänge oder Sonderveranstaltungen 2 €

Kartenvorbestellungen nur telefonisch unter Tel. 089-233-96450

Büro: Tel. 089-233-22348
E-Mail: filmmuseum(at)muenchen.de


P.S. Ich und Przemek waren schon da und haben uns „Die unschuldigen Zauberer“ angeschaut. Warschau in der Nachkriegszeit, Jazz, Sehnsüchte, Krzysztof Komeda .. Das war ein sehr starkes Kinoerlebnis. Es bleibt nichts übrig als euch auch ähnlich Momente im Kino zu wünschen, also geht ins Kino! 🙂

Natalia und Przemek noch bevor die Magie begann

Natalia und Przemek noch bevor die Magie begann

 

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Natalia

Über Natalia

Natalia Garbacz Nachdem sie 2004 ihr familäres Nest in Warschau verließ, brach sie nach Deutschland auf. Sie nahm ein Studium der Theaterwissenschaften in Erlangen auf, welches sie später in München abschloss. Den Ahoj-Nachbarn-Verein nahm sie von Nürnberg nach München mit und ist seither grenzenlos stolz darauf, dass er Schöpfer solch toller Projekte wie dem polnischen Filmfestival Cinepol oder des osteuropäischen Stadtführers Ahoj Minga geworden ist. Ehemalige Vorsitzende des Vereins Ahoj Nachbarn (2007-2013, 2013-2015).

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